Venter, Anne / Bruhn, Lars / Homann, Jürgen: Aspekte zum Inklusionsbegriff unter der Bedingung von Hörbehinderung
Ein Leitziel der Disability Studies ist Inklusion - auch im schulischen Bereich. Dieser Inklusionsgedanke soll im heutigen Einführungsvortrag näher erläutert werden, um daraus einige Aspekte und kritische Anmerkungen zur Praxis der Erziehung und Bildung von Hörbehinderung betroffener Kinder abzuleiten. Vorweg: Das Thema Inklusion findet bislang im Bereich des ‚Hörgeschädigtenbildungswesens’ keine nennenswerte Beachtung, wo von Inklusion die Rede ist, verbirgt sich hinter dem Terminus oftmals das synonyme Verständnis von Integration, obwohl sich mit dem Inklusionsgedanken im Vergleich zu Integration aus Sicht seiner VerfechterInnen ganz unterschiedliche Haltungen, Konzepte und Erklärungsansätze von Behinderung verbinden. Ich werde im Folgenden zunächst den Entwicklungsweg der unterschiedlichen Konzeptionen Segregation, Integration und Inklusion nachzeichnen, ehe ich im Anschluss auf die Situation von Hörbehinderung betroffener Kinder zu sprechen komme.
Kommentare (2)
Kommentar von papagei
Datum: 14. April 2008, 19:47
zum kommentar von ‘kuckuck’: Ist Schwerhörigkeit wirklich die “geringfügigere” Behinderung? Komischerweise scheinen doch eher die Schwerhörigen trotz ihrer besseren Lautsprachkompetenz darunter zu leiden, permanent ausgegrenzt zu werden, zumindest lese ich das immer wieder und bekomme es auch von schwerhörigen Freundinnen so vermittelt. Gehörlose hingegen haben ihre Gebärdensprache, mit der sie problemlos miteinander kommunizieren können. Ich (hörend) finde aber, wir sollten uns vor solchen pauschalisierenden Vergleichen grundsätzlich hüten, denn das mündet zwangsläufig nur in der Leidensdiskussion, Stichwort ‘unwertes Leben’ etc. - und das hatten wir in Deutschland schon! Insofern finde ich auch deine Tiervergleiche völlig unpassend und nicht gerade ungefährlich, denn sie lesen sich so, als sollten schwerhörige und gehörlose Kinder deiner Meinung nach besser überhaupt keinen Kontakt untereinander haben - abgesehen davon, dass dein vormodernes Schubladendenken ohnehin völlig überholt ist und mit Inklusion wirklich nix am Hut hat. Wir ‘respektieren’ Anderartigkeit, indem wir sie ’schützen’, also voneinander isolieren - aha. Und das soll die Lösung sein? Da ist dir wohl was entgangen …





Kommentar von Kuckuck
Datum: 4. April 2008, 09:12
[gekürztes Zitat:] Eigene Schulen für gehörlose [gehörlose!!!!] Kinder und Jugendliche gelten als Instrument zur Wahrung der Gehörlosenidentität. Inklusion wird als Bedrohung wahrgenommen. Diese Haltung zog Unverständnis nach sich. Wenn aber andererseits die Mängel der ‚Integrationspraxis’ schwerhöriger [schwerhöriger!!!!] Kindern kaum Widerspruch erregen, sondern nahtlosen Eingang in die Debatte um den Inklusionsbegriff finden: Wer mag es ihnen verübeln?”
Mommentar: Der Denkfehler der Befürworter einer pauschalen Inklusion liegt hier darin dass sie die “Gehörlosen” mit den “Schwerhörigen” und deren letzteren geringfügigeren und auch andersartigen Behinderungen in einen Topf werfen und daraus rechtfertigen, den “Gehörlosen” eine starrköpfige Verweigerung zu unterstellen.
Dies hätte auch im Artikel stehen müssen. So idyllisch es auch manchen Leuten erscheinen mag, es macht keinen Sinn, etwa Panda-Bären und Eisbären in einem gemeinsames Einheitsbiotop sich selbst zu überlassen. Zumindest einer von beiden wird darin verenden.
Respekt und Schutz der Andersartigkeit muss nicht automatisch die pauschale “Inklusion” von allem zur Folge haben - im Gegenteil!